Holzmengen - Situation vor Ort

Das pittoreske Dorf Holzmengen liegt im Harbachtal am Fuße der Karpaten, 20 km östlich von Hermannstadt, das 2007 zur Kulturhauptstadt Europas auserkoren wurde.
Seit über 800 Jahren ist die Region von der siebenbürgisch-sächsischen Kultur, mit ihren Kirchenburgen, der typischen Architektur und ihren Traditionen geprägt. Vor allem in den letzten 20 Jahren, nach dem Weggang der Siebenbürger Sachsen, zogen vermehrt Roma in die Dörfer und bilden nun mit den Rumänen, einigen Sachsen und Ungarn die Bewohner der Dörfer.

Rumänien ist ein Vielvölkerstaat, in dessen Parlament 19 Minderheiten vertreten sind. Ein Kulturreichtum, der es erschwert, sich auf gemeinsame Interessen und Richtungen zu einigen.

Die Roma – eine Minderheit

Das Zusammenleben in den Dörfern verläuft nicht unproblematisch. Die zugezogenen Roma sind meist jenseits der Traditionen von Sesshaftigkeit und traditioneller Arbeitseinteilung aufgewachsen.
Einst waren sie deklarierte Außenseiter der Gesellschaft und auch heute bleiben sie ungewollt an den äußeren Rändern des Zusammenlebens. Die Rahmenbedingungen erleichtern die Eingliederung nicht: Viele Hilfsarbeiter besitzen kein Auto und da Busse nur selten fahren, können sie den Arbeitgebern keine Zuverlässigkeit bieten. Sie bestätigen ungewollt die negativen Klischees, die es über sie gibt.

Da sie sich meist in der Rolle der sozial Schwächeren befinden, arbeiten sie nicht selten drei Monate, die so genannte Probezeit. Nach diesem Zeitraum stehen sie wieder auf der Straße, ohne dass sie je Anspruch auf Sozialversorgung hätten. Der Teufelskreis wiederholt sich. Die Menschen finden die Kraft nicht mehr, gegen die alten Bilder anzukämpfen und fügen sich ihnen.

Interne Abgrenzungen unter den Roma selbst erschweren eine gemeinsame Positionierung und Politik. Da gibt es die Cortuari, die ein Clan-System pflegen, sich mit Zusammenhalt formieren und sehr an ihren alten Traditionen festhalten. Auf der anderen Seite stehen die Roma, die sich eigentlich als Rumänen oder gar selbst als "Zigeuner" betrachten, aber von diesen wiederum nicht anerkannt werden.

Die Situation der Kinder und Jugendlichen vor Ort

Kinder und Jugendliche unterliegen in Rumänien bis zur 8. Klasse der Schulpflicht. Danach müssen die Eltern entweder 50 Euro im Monat für ein Busticket oder 100 Euro für das Internat in Hermannstadt aufbringen, um den weiteren Schulbesuch zu ermöglichen.
Die finanziellen Mittel sind knapp und da die Eltern zum Teil selbst wenig Schulbildung erhalten haben, endet die Schullaufbahn vieler junger Menschen nach der Dorfschule. Das Niveau der Dorfschule ist nicht unbedingt ausreichend, um sich für die weiterführenden Schulen in den Städten zu qualifizieren. Nachhilfeunterricht wäre nötig, den wiederum niemand bezahlen kann. Die Lehrer sind aufgrund ihrer schlechten Bezahlung und ihren eigenen Ressentiments gegen die Dorbewohner nur wenig motiviert, an den erwähnten Zuständen etwas zu ändern.

Die Qualität des Unterrichts leidet und die Schüler haben keine Mentoren, die ihnen einen Weg in die Zukunft weisen. Da 70 Prozent der Dorfkinder Roma sind und die Vorurteile gegen sie weiterhin bestehen, sieht sich der Staat nicht in der Pflicht, den Kindern eine bessere Zukunft zu bieten. Die meisten finden sich mit der vererbten Ausgrenzung ab. Die jungen Männer gehen als Hilfsarbeiter in Fabriken oder aufs Feld; die Mädchen werden jung verheiratet und bekommen Kinder.

Die Geschwindigkeit, in der die westliche Wirtschaftsordnung in Rumänien Einzug hält, vergrößert die Kluft zwischen Stadt und Land zunehmend. Aufgrund des meist niedrigen Bildungsniveaus der Eltern ist niemand in der Lage, den Kindern ein Bewusstsein dafür zu vermitteln, was Bildung in unserer Gesellschaft bedeutet. Selbst wenn die Eltern ein Einsehen haben, fehlen ihnen oftmals die finanziellen Mittel. Nicht selten brauchen die Familien sogar ein weiteres Einkommen, um überleben zu können. Der Familienalltag ist von Alkoholismus, Drogenkonsum, Gewalt und Armut überschattet.

Die Armut der Bauern

Die Modernisierung und Urbanisierung Rumäniens hat das ländliche Leben noch nicht erreicht und das ist in der nächsten Zukunft auch noch nicht zu erwarten.
Den Dorfbewohnern fehlen die Möglichkeiten, Geräte zu kaufen, mit denen sie ihre Landwirtschaft vorantreiben können. Es mangelt an Strukturen, in denen sich die Bauern zusammenschließen könnten, die neuen EU-Verordnungen erschweren diese Schritte zudem.